weiche Kontaktlinsen anpassen

Parameterwahl
Ablauf
Mehrstärken
Sitzverhalten
Babylinsen

Wahl der ersten Kontaktlinse

  1. Messen des Hornhaut-Durchmessers ØHH (horizontaler Iris-Durchmesser + 0.6 mm)  Hinweis: 80% der Hornhaut-Durchmesser bewegen sich statistisch zwischen 11.30 und 12.10 mm
  2. Bestimmung des Kontaktlinsendurchmessers
  3. Berechnung der Basiskurve: rO = rcfl + BCf

Beispiel: Parameter für eine Toris Ballast

Hornhautwerte: Hornhaut-Durchmesser = 11.70 mm / Hornhautradien = 7.80 / 7.70 mm

  • ØT = 11.70 mm + 2.30 mm = 14.00 mm
  • rO = 7.80 mm + 0.70 mm = 8.50 mm
  • pro 0.40 mm Radiendifferenz rO um 0.10 mm reduzieren
  • Definitive 74: 0.10 mm steiler anpassen

Anpassablauf

  1. Kontaktlinse aufsetzen; Eintragezeit zwischen 30 Minuten und 2 Stunden, subjektive Überrefraktion (alternativ das Autorefraktometer zur Orientierung verwenden)
  2. Spaltlampenbeurteilung (10–15 fache Vergrößerung, diffuse Beleuchtung): Zentrierung beim Blick geradeaus, sowie bei Blickbewegungen
  3. Bewegung nach Lidschlag kontrollieren, ca. 1-2 mm nach push-up-Test sind gewünscht
  4. beim Blick nach oben sollte Kontaktlinse 1–2 mm nach unten gleiten
  5. Beurteilung der KL-Vorderfläche: Tränenfilm, Abtrocknung, Benetzung und Ablagerungen
  6. Keratometerprüfung über die KL: Beurteilung der Ophtalmometerbilder
  7. Kontrolle der Horn- und Bindehaut nach Abnahme der Kontaktlinse mit Fluoreszein
  8. falls erforderlich, endgültige Kontaktlinse anhand der Seriennummer der Kontaktlinse bestellen

Mehrstärken Kontaktlinsen anpassen

Mehrstärkensystem und zentrale optische Zone (Zoc)

Wahl der Lesezone

  1. Wahl: Nähe zentral
  2. Wahl: Nähe peripher bei schlechtem Fernvisus, hoher Myopie

Anamnese

  • Führungsauge bestimmen
  • Fernkorrektur maximal positiv auskorrigieren
  • maximalen Fernvisus monokular messen, um die Art der Zoc zu bestimmen
  • Gebrauchsentfernungen vom KL-Träger hierarchisch bestimmen lassen: Fern-, Zwischen- und Nahbereich

Wahl des Mehrstärkensystems


Bedürfnisse Bf Bifocal Sp Simple progressive Mp Multi progressive
Hyperopie
Myopie Addition < 1.75 dpt.
Myopie Addition ≥ 1.75 dpt.
Präferenz Ferne
Präferenz Nähe
Präferenz Zwischenbereiche (Computer)
Gebrauch bei wenig Licht Ferne
Gebrauch bei wenig Licht Nähe
Hoher Kontrast
Geringe Halos
Anisometropie > 2.00 dpt
Amblyopie (√)
Nachversorgung von Monovision (√)

Wahl des Mehrstärkensystems Lage und Durchmesser:

(erste Empfehlung bei normalem Pupillendurchmesser (3.50–4.00 mm) und normaler Raumbeleuchtung)


Lage Bf Nähe zentral Bf Ferne zentral Sp Nähe zentral Sp Ferne Zentral Mp Nähe zentral
Führungsauge 2.25 3.75 2.50 4.00 1.50
Begleitauge 2.75 3.25 3.00 3.50 1.75
Unbestimmt 2.50 3.50 2.75 3.75 1.5

bei abweichenden Pupillendurchmessern oder Präferenzen: Ferne/Nähe Zoc um 0.25 mm anpassen


Sitzverhalten

Blick gerade aus

Blick nach oben

Blick zur Nase

guter Sitz

  • bequemer Tragekomfort
  • gute Zentrierung mit kompletter Bedeckung des Limbus auch bei seitlichen und vertikalen Blickbewegungen
  • leichte, gleitende Bewegung in alle Blickrichtungen, 1 – 2 mm Bewegung
  • Kontaktlinse folgt den Augenbewegungen
  • gute Rückbewegung beim Push-up Test
  • Sinnvolle Überrefraktion

good_primary-position good_lens-up-position good_lens-nasal-position

zu flache Anpassung

  • schlechte Zentrierung möglich
  • zu starke, fallende Bewegung > 2 mm
  • Kontaktlinse folgt nicht der Augenbewegung
  • schlechter, schwankender Seheindruck möglich: schlecht nach Lidschlag, dann besser werdend
  • Kann schlechter Komfort hervorrufen
  • steilere Basiskurve und/ oder grösseren Durchmesser wählen

flat_lens-position flat_lens-up-position flat_lens-nasal-position

zu steile Anpassung

  • zeigt eine zu geringe oder keine Bewegung, < 1 mm
  • Kontaktlinse bleibt zentrisch in allen Blickbewegungen
  • kein Push-up Test möglich
  • Ab-/Eindruck in Bindehaut möglich
  • Blutgefässe lassen sich unter der Kontaktlinse nicht bewegen
  • instabiles Sehen: gut nach Lidschlag, dann schlechter werdend
  • Flachere Basiskurve und oder kleinerer Durchmesser wählen

steep_lens-position steep_lens-up-position steep_lens-nasal-position

Anpassempfehlungen bei Babylinsen:

Die Baby Kontaktlinse sollte zentrisch vor der Pupille sitzen und sich bei Lidschlag ca. 1 mm bewegen. Dabei den kleinstmöglichen Durchmesser wählen. Eine kleine Luftblase bei dem erstem Aufsetzen ist normal, sollte aber nach den ersten Lidschlägen verschwunden sein

Flachanpassung:

Anhand des Push-up-Testes kann festgestellt werden, ob sich die Kontaktlinse gut zentriert. Dezentriert die Kontaktlinse oder wird sie vom Oberlid festgehalten und weist einen Hochsitz auf, so muss der Gesamtdurchmesser um 0,50 mm erhöht oder bzw. die BCOR um 0,3mm reduziert werden. Evtl. eine Kombination aus beiden Möglichkeiten in Erwägung ziehen.

Steilanpassung:

Von einer Steilanpassung wird gesprochen, wenn für länger als 10 Minuten unter dem Kontaktlinsenzentrum eine Luftblase  festzustellen ist. Diesen Effekt kann man beheben indem die BCOR erhöht wird. Generell wird eher eine Flachanpassung als eine Steilanpassung empfohlen.

Festsitz:

Eine fest sitzende Kontaktlinse wird beim Push up Test nicht reagieren. Man kann eine stark reduzierte Bewegung beobachten. Desweiteren können Rötungen und Irritationen der Augen zu beobachten sein. Eine zu fest sitzende Kontaktlinse kann in manchen Fällen von der Cornea wegrutschen und sich dezentriert fest “saugen“. Durch die hohe Mittendicke, der starken +Linsen und dem kleinen Gesamtdurchmesser im Vergleich zu durchschnittlichen weichen Kontaktlinsen, kann es bei der Anpassung von Babylinsen häufig zu einem Festsitz kommen. Sollten diese Beobachtungen zu Grunde liegen so wird empfohlen die BC um 0,5mm flacher zu wählen.

RX Beurteilung:

Es wird empfohlen eine Überrefraktion mittels Skiaskop zu machen. Nach einer Eintragezeit von wenigen Stunden kann ebenfalls mittels Skiaskop der Restzylinder festgestellt werden, falls notwendig. In sehr jungen Jahren liegt allerdings selten eine astigmatische Korrektion vor.